Archiv

Artikel Tagged ‘Mammutheum’

Mammutheum – Steinzeitliches Kleinod in Oberbayern

10. Juli 2009

Originale gibt es hier viele. Nicht nur die Skelette von Mammuts und Höhlenlöwen, sondern auch ihr Entdecker, Bernard von Bredow, sind echt. Kein Abguss, keine Kopie – 100% Mammut, 100% Bernard. Es ist schon eine abenteuerliche Geschichte, die sich vor rund 30 Jahren in Siegsdorf (Oberbayern) abgespielt hat.

“Er kauft sich vom Taschengeld Material und konstruiert ein Metallsuchgerät. Zusammen mit seinem 10 jährigen Freund sucht er mit diesem Gerät den Bach von Siegsdorf in Oberbayern nach Gold ab. Nördlich des Ortes, im Gerhartsreiter Graben, stößt Bredow am 11. Oktober plötzlich auf einen seltsamen Schatz: ein Knochen ragt aus dem lehmigen Boden des Baches! Er holt einen alten Silberlöffel aus der Hosentasche hervor und legt den Knochen frei …”

heißt es auf der Website des Mammutheums, dessen Grundlage dieser kleine Fund eines ersten Knochens des Mammuts, dass viele Jahre später dem Lehmboden entkommen und den Namen “Oscar” tragen soll.

Erst 10 Jahre nach dieser Entdeckung wird an dieser Stelle eine professionelle Ausgrabung unter Leitung von Bernard von Bredow durchgeführt, um auch die restlichen Knochen zu finden. Doch nicht nur ein Mammuth wird gefunden, auch der wohl älteste bayerische Löwe war im Lehmboden versunken.

Diese Entdeckung legt den Grundstein für das Leben von Bernard Bredow. Er, Magister der Geophysik, wird zum Mammuth- und Steinzeitexperten. Das Ergebnis dieser bisher 30-jährigen Arbeit ist seine Wirkungsstätte, sein Museum, sein Erlebnispark, eben sein Mammutheum.

Das Mammutheum hat er in und um sein Elternhaus errichtet und ist nicht mit einem klassischen Museum zu vergleichen. Es ist nicht besonders groß, nicht besonders schick, nicht besonders modern. Aber all das braucht es nicht, um höchst interessant und inspirierend zu sein! Wer etwas über Mammuths und das Leben in der Steinzeit wissen will, kommt nicht an von Bredow und seinem Mammutheum vorbei. Die Kinder freuen sich an den Lebensgroßen Modellen von Mammuths, Steinzeithütte und -haus sowie anderen großen Säugetieren. Alle Altersgruppen zusammen sind begeistert von praktischen Demonstrationen der Jagdwerkzeuge der Steinzeit. Und die Erwachsenen steigen mit von Bredow auch einmal in eine tiefere Diskussion ein.

Von Bredow vermittelt sein wissen zielgenau und mit hohem Sachverstand – manchmal für den unbedarften Besucher vielleicht etwas zu geballt, fachlich korrekt und zu viel Meinung. Die Frau in der Steinzeit ein Heimchen am Herd? “Unmöglich!”, erklärt Bredow! “Wie viel Asche wurde in Höhlen gefunden?” oder “Was meinen Sie, wie viel Holz man braucht, um ein Feuer den ganzen Tag am Brennen zu halten?” fragt er. Und gibt zu bedenken: “Wenn das stimmen würde, was uns in der Schule falsch beigebracht wird, würden wir Höhlen voller Asche finden – und Leichen von den ganzen erstickten Menschen!”. Er redet nicht lange drum herum und zeigt offen, dass seiner Meinung nach, die meisten “wissenschaftlichen” Erkenntnisse über die Steinzeit von Schreibtischtätern erlangt worden sind, die keine praktischen Erfahrungen haben. Von Bredow hat in Sibirien Mammuths ausgegraben und weiß genau wie es ist, im tiefen Schnee und Eis leben zu müssen.

“Die Frauen und Kinder waren für die Waffenproduktion zuständig. Die Männer waren schließlich immer unterwegs – Nahrung ranschaffen!” erklärt er mit klaren Worten. Aber wie bringt man in einer Zeit, in der Lineal, Newtonmeter und Schrift noch nicht vorhanden sind bei, wie genau der Bogen geschnitzt werden muss, damit der Jäger ihn benutzen kann? Der Klang von Werkstoffen hat für von Bredow eine besondere Bedeutung. Er zeigt praktisch, wie man einen Bogen “hören” kann. Wie man genau erkennt, dass zwei Töne sich überlagern, und man so die unterschiedliche Spannung der beiden Bogenhälften genau abstimmen kann.

Von Bredow und sein Mammutheum sind beeindruckend. Man muss sich auf Bredow einlassen und darf nicht wie in jedes normale Museum hinein gehen. Nicht um sonst weißt schon eine Hinweistafel vor dem Mammutheum darauf hin, dass man es nur betreten soll, wenn man mit einigen Regeln und Begebenheiten einverstanden ist.

Für alle, die offen sind, Neues auch mal unorthodox zu erfahren, sind die 5 Euro pro Person (Kinder günstiger, Führungen zusätzlich) eine mehr als lohnende Investition.

(Hinweis: Bei der Anfahrt nicht von den Schildern Richtung “Mammuth-Museum” verwirren lassen. Diese führen nicht zum Mammutheum, sondern zum städtischen Museum – ohne von Bredow, ohne die rein mit Holzwerkzeugen gebaute Violine und ohne all das, was das Mammutheum auszeichnet).

Reisen , , , , , ,