Martin Baudrexels “rubico”
Zum meinem Geburtstag erhielt ich eine Einladung in das Restaurant “rubico” des bekannten Fernsehkoches Martin Baudrexel. In der jüngsten Ausgabe der “Kocharena” betonte er noch ausdrücklich, dass er nicht nur Koch des rubico ist, sondern auch Inhaber. Umso mehr ein Grund, sich sehr auf einen Besuch in diesem Restaurant zu freuen. Nicht zuletzt auch, weil Martin Baudrexel zusammen mit seinen Kollegen (Zacherl, Kotaska, Marquardt) andere Restaurants wieder auf Vordermann bringt und Köchen zeigt, wie sie es besser machen können.
Doch schon beim Ankommen vor dem rubico wunderten wir uns: kaum Außenbeleuchtung, eher alte Fassade, insgesamt nicht, wie man sich ein nicht wirklich günstiges Restaurant vorstellt. Durch die Eingangstür kommt man direkt den einzigen, recht großen Gastraum. Dieser ist durch eine gerade Linie von Kugellampen schummrig beleuchtet. Der Weg führt direkt auf die Bar zu, wo wir ein wenig ruppig empfangen. Wir wurden weder zu unserem Tisch geleitet, noch wurde uns die Garderobe abgenommen. Erst als wir etwas verloren in der Gegend herum standen, fragte man nach der Garderobe und zeigt nochmal den zugeteilten Tisch.
Der Ecktisch war sehr schön, Scheu vor den Nachbarn darf man jedoch nicht haben, sitzt man doch sehr eng beeinander. Das Besteck ist geschmackvoll, die Glastische gewöhnungsbedürftig aber edel und das gläserne Geschirr für Brot und Amuse Buche wirklich schön. Die Gläser sind zwar hochwertig, aber nicht besonders pfiffig gewählt.
Schnell hatten wir die Speisekarte vor uns und der Kellner bot im gleichem Atemzug einen Aperitif an. Irgendwie wurden wir mit ihm aber nicht so recht warm und er wirkte recht ruppig auf uns, was uns aber nicht davon abhielt, den Holunderberr-Belini zu bestellen (wobei es fast unmöglich wurde, da der Kellner das Wort “Bellini” immer vernuschelt hat und wir gar nicht verstanden, was er uns anbieten will). Die Weinkarte wurde kommentarlos auf den Tisch gelegt. Die Karte ist übersichtlich, aber nicht zu klein: Neben einem Drei-Gänge-Menü (40 Euro) werden zwei Suppen, sind sechs Vorspeisen und Hauptgerichte, ein Zwischengang und vier Desserts angeboten.
Der erste Blick zeigte schon: Vegetarier darf man hier nicht sein. Die Auswahl an rein vegetarischen Gerichten ist verschwindend gering, jedoch dominiert auch nicht das Fleisch, sondern ein guter Mix aus Wasser- und Landtieren.
Brot wurde auf den Tisch gestellt. Da zu gab es keine Butter, sondern eine grüne Creme, die uns zunächst nicht erklärt wurde. Auf Nachfrage wurde es uns als Erbsenpaste vorgestellt – was wir auch gerade schon erschmeckt hatten. Von der Farbe her hätte es aber auch Wasabi oder Ähnliches sein können, weshalb wir etwas vorsichtig waren.
Wein und Wasser wurde einmal eingegossen – nachschenken darf und muss man sich jedoch selbst. Aufgrund der engen Verhältnisse wäre es aber für die Kellner auch gar nicht möglich, dies zu tun (von der sehr geringen Anzahl der Servicekräfte mal ganz abgesehen).
Generell war der Service eher ein Trauerspiel. Ruppig, kurz angebunden, kumpelhaft. Einfach nicht angemessen.
Das Essen kam schnell und war schön dekoriert. Die Vorspeisen waren das Highlight des Abends (Geschmolzener Ziegenkäse; geräucherte Ente) und durchweg gut. Der Zwischengang (Tagliatelle mit Gambas) kam recht schnell hinterher und war eher Mittelmaß. Die Tagliatelle waren gerade so nicht zu hart und die Soße relativ geschmacksneutral. Die Gambas war jedoch wirklich super. Der Hauptgang (Lachs und Ente) überrascht zuerst meine Begleitung: die “Bayerische Ente” entpuppte sich als Entenkeule, die sich nicht sehr damenhaft essen lässt. Das Gemüse war bei beiden Gerichten gut, wenn auch nicht außergewöhnlich. Der Lachs war wunderbar gebraten und harmonierte gut mit der Orangensauce.
Nach dem Hauptgang gab es eine kleine Pause, in der wir auch die Entenproblematik mit dem Service besprachen und in der auffiel, dass bei der Ente auch eine Beilage gefehlt hat. Zur Entschuldigung wurden wir zum Desert eingeladen, was wir gerne annahmen. Die Deservariationen bestanden aus einem Stück Schokokuchen, einer kleinen Creme Brulee und einer Nocke Vanilleeis. Der Gateau au Chocolat stellte sich leider als derselbe harte, schwere Schokokuchen heraus, der auch Bestandteil der Variationen ist und war nicht annähernd so gut, wie der Gateau au Choloat mit flüssigem Kern im La Buille, das ich erst vor zwei Wochen genießen durfte. Der Prosecco zum Desert kam erst nachdem das Desert schon auf dem Tisch stand.
Während des Abends füllte sich das Restaurant bis auf den letzten Platz, wodurch es auch recht laut wurde. Die nicht wirklich leise Musik tat ihr übriges. Nach dem Zahlen war der Kellner so schnell weg, dass wir nicht mal ein Taxi ordern konnten. Die Garderobe mussten wir uns selbst zusammen suchen. Weder wurden wir verabschiedet, noch auf unseren Abschiedgruß reagiert.
Fazit: Das Essen ist okay, der Service Mittelmaß. Preis und Leistung passt aber – selbst für München – nicht zusammen. Hier ist man im Anna oder La Buille besser aufgehoben und bekommt erheblich mehr für sein Geld. Von “Gourmet” ist die Küche des ein ganzes Stück entfernt, die Preisgestaltung jedoch leider nicht. Damit man aber allein für den Namen mehr zahlt, hätte der Meister ruhig mal aus seiner Küche kommen können.
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